Rund 7000 Kinder zwischen ein und drei Jahren finden sich aktuell in Mainzer Kinderwagen und auf den Spielplätzen der Stadt. Ein neues Betreuungsangebot für Klein- und Kleinstkinder soll der Schlüssel zum Erfolg im Kampf gegen den demografischen Wandel werden. Was tut Mainz für werdende Väter und Mütter, berufstätige Eltern und deren Kinder? Eine Bestandsaufnahme.

Von Maike König und Linda Tonn

Nicht für jeden kleinen Forscher findet sich ein Betreuungsplatz.
Foto: Fabian Bromann, bestimmte Rechte vorbehalten

Rein rechtlich steht jedem Kind in Rheinland-Pfalz ein Betreuungsplatz zu. Das klingt zunächst nach einer guten Ausgangslage für Mainzer Familien. Denn Studien belegen: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nimmt eine immer wichtigere Rolle ein. So wird ein zuverlässiges Betreuungsangebot ab dem Kleinkindalter zum wichtigen Kriterium bei der Erfüllung eines Kinderwunsches. Die Landeshauptstadt Mainz ist als Trägerin der Kinderhilfe gesetzlich in der Pflicht, die notwendigen Plätze für die Kinderbetreuung bereit zu stellen. Dabei sieht sich die Stadt nach eigenen Angaben auf einem guten Weg. Doch der Blick in Elterngesichter, die ihr Kind auf die x-te Warteliste für einen Platz in der Kindertagesstätte setzen müssen, zeugt von einer anderen Realität.

Der Bund hat den Rechtsanspruch auf einen öffentlich geförderten Kindergartenplatz zum 1. August 2013 ausgeweitet. Bislang galt er nur für alle Kinder ab drei Jahren. Jetzt sollen alle Kinder einen Platz zugesichert bekommen, die das erste Lebensjahr vollendet haben. Damit hat die Bundesregierung den immer weiter sinkenden Geburtenzahlen den Kampf angesagt. Denn gerade junge und gut ausgebildete Frauen befürchten durch Elternzeit und langen Mutterschutz den Karriereknick – und entscheiden sich letztlich gegen Kind und Mutterschaft. Ein Problem, dessen Lösung sich die Mainzer Politik auf die Fahnen geschrieben hat: „Die Stadt Mainz will Familien dabei unterstützen, Familie und Beruf miteinander zu verbinden, Kindern von klein an gute und faire Bildungschancen geben und ihnen eine qualitativ gute Bildung und Betreuung in ihren Einrichtungen anbieten. Für den Ausbau der Kitas tun wir, was so schnell nur irgend möglich ist“, sagte der Mainzer Sozialdezernent Kurt Merkator bei der Vorstellung des Kindertagesstätten-Bedarfsplans im Juni 2013.

Neue Kitas braucht die Stadt

Anzahl der Mainzer Kinder mit Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz
Quelle: Kindertagesstättenbedarfsplan 2013

Doch was machen Familien, die schon jetzt dringend auf einen Kita-Platz angewiesen sind? Schon vor Inkrafttreten des Rechtsanspruches häufen sich an den Gerichten die Klagen. Im Juni hatte eine Mainzer Mutter die Stadt erfolgreich auf Zahlung einer Entschädigung für einen fehlenden Kitaplatz verklagt.
Doch lässt die derzeitige Situation auch alternative Betreuungsangebote in den Vordergrund rücken. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass der Wunsch nach privater Betreuung unterschiedliche Gründe haben kann: Manche Eltern haben schlicht keinen Kita-Platz bekommen, andere ziehen die familiäre Betreuung den großen Kindergartengruppen bewusst vor, nutzen spezielle Angebote wie Waldkindergärten oder integrative Kindergärten. Wieder andere bringen ihre lieben Kleinen bei Tagesmüttern unter. Wenn die Großeltern nicht mehr einspringen können, geht auch eine Leihoma mit den Kleinen auf den Spielplatz. Ein Aupair, das in der Familie wohnt und die Tagesbetreuung der Kinder übernimmt, beschäftigen in Mainz und Umgebung dagegen nur wenige. Fest steht: Private Betreuung ist in jeder Hinsicht teurer als ein regulärer Kita-Platz. Die Stadt Mainz unterstützt Eltern mit einem individuell berechneten Zuschuss.

Wunsch nach Alternativen

Wenn die Stadt das Betreuungsangebot wirklich verbessern möchte und nicht nur geforderte Plätze schaffen, sondern auch auf die Betreuungsvorstellungen der Eltern eingehen will, steht noch viel Arbeit an. Nur das städtische Angebot an Kindergärten und Kindertagesstätten auszubauen reicht nicht aus. Um herauszufinden, welche Betreuungswünsche die Eltern in Mainz für ihre Kinder unter drei Jahren haben, beteiligt sich die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt an einem bundesweiten Forschungsprojekt des Forschungsverbundes Deutsches Jugendinstitut und der Technischen Universität Dortmund. Dabei wurden im Mai 2013 alle Mainzer Eltern gefragt, was sie sich für die Betreuung ihrer Kinder wünschen. Eine Auswertung gibt es bisher noch nicht. Eines ist trotzdem sicher: Ein ausreichendes und vielfältiges Betreuungsangebot für alle kleinsten Mainzer steckt trotz aller Bemühungen noch in den Kinderschuhen.

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