Gespräch mit den drei Mainzer Cineasten Sack, Seehuber und Zeidler, kurz nach der Eröffnung ihrer Kinos Capitol und Palatin im Juni 2009

Von Sarah Weik

 

 

Dank ihnen laufen im Capitol und Palatin, dem früheren „City“, in der Mainzer Innenstadt wieder Filme.

 

Jochen Seehuber, Eduard Zeiler und Tassilo Sack haben gerade ihr Studium abgeschlossen oder stehen kurz davor – und besitzen nun ihr eigenes Kino. Wir haben zwei der Jungs getroffen.

 

 

 

Seit Ende April betreibt ihr nun euer eigenes Kino – ein Kindheitstraum?

Seehuber: Kino war für mich immer sehr wichtig. Zur Bildung, zur Unterhaltung oder um einfach mal abzuschalten. Während dem Studium habe ich auch angefangen Kurzfilme zu drehen. Alles was mit Film zu tun hat finde ich spannend.

Zeiler: Ist bei mir genauso. Kino hat in meinem Leben immer eine sehr große Rolle gespielt. Vom ehrenamtlichen Filmvorführer als Schüler über eine Filmtheaterleiter-Assistenz in Stuttgart bis zum eigenen Chef – manchmal werden Träume eben doch wahr.

Seehuber: Obwohl die Idee selbst ein Kino zu besitzen wirklich erst kurz vor der Realisierung aufkam. Aber es fühlt sich logisch und richtig an.

Und wie kam die Idee dann auf?

Seehuber: Wir wussten, dass sich der ehemalige Betreiber zurückziehen will. Und wir dachten: Warum eigentlich nicht? Es war eine ziemlich spontane Entscheidung.

Und habt ihr die jemals bereut?

Zeiler: Zweifel an der Idee gab es nie. Eher Verzweiflung über die Bürokratie und die ewige Warterei auf diverse Genehmigungen.

Seehuber: Und dann ist da noch die Sache mit dem Geld. Klingt unromantisch, ist aber leider so. Wir arbeiten viel und verdienen wenig. Viel Spielraum bleibt da nicht.

 

Das heißt, ihr macht viel in Eigenregie?

Seehuber: Ja, wir haben selbst renoviert und stehen hinter der Theke. Und dabei ist unser Stundenlohn geringer als der unserer Mitarbeiter. Aber das ist auch vollkommen in Ordnung. Keiner von uns denkt an Reibach.

Zeiler: Wir sind erstmal stolz darauf, die Kinos überhaupt zum Laufen gebracht zu haben.

Seehuber: Und versuchen dieser oft verschlafenen Stadt etwas Neues, Innovatives und Hochwertiges zu geben.

 

Was muss noch besser werden?

Seehuber: Die Zuschauerzahlen natürlich.

Und was bekommt der Zuschauer bei euch, was er im Cinestar nicht bekommt?

Seehuber: Uns unterscheidet schon sehr, sehr viel. Wir sind schon mal ganz anders aufgestellt. Das Cinestar ist ein Unternehmen, das national arbeitet. Wir sind drei Jungs mit ein paar Helfern. Aber wir sind definitiv das kulturell kompetentere Kino.

 

Ihr seid selbst begeisterte Kinogänger – was wolltet ihr in eurem Kino unbedingt anders machen?

Seehuber: Vieles! Dazu gehört zum Beispiel die Freilegung einer zugebauten Fensterwand im Foyer des Palatins. Wir wollen ein offenes Kino sein. Bei uns gibt es nicht nur Filme, sondern auch eine Bar, Lesungen und Konzerte.

 

Das Capitol in einem Jahr?

Zeiler: Vor allem etabliert, aber weiterhin innovativ, inspirierend, cineastisch, musikalisch, literarisch, unterhaltsam.

Seehuber: Nun ja, das sehen wir in einem Jahr…

Was habt ihr aus eurem Projekt gelernt?

Zeiler: Dass Peter Greenaway Unrecht hat. Das Kino ist nicht tot.

 

 

Das Plakat von „Kleine Verbrechen“: ein Film, den es nicht überall zu sehen gibt. Foto: Sarah Weik

Jochen Seehuber ist frisch studierter Mediendesigner, kommt ursprünglich aus dem kleinen Dorf Neumünster bei Augsburg und lebt seit sechs Jahren in Mainz.

Eduard Zeiler ist Noch-Student (Slawistik, Publizistik, Filmwissenschaft), der sich auf der akademischen Zielgeraden befindet und sich mit der Leitung eines Kinos auszukennen glaubt, da er ein kultiges Kino (Subiaco-Kinos) unter seinen Fittichen hatte.

Der dritte im Bunde ist Tassilo Sack, der im vergangenen Jahr sein Mediendesignstudium in Mainz abgeschlossen hat.