Ob Frankreich, England oder die Schweiz – Bruno Bellini hat in seinem Leben viele Länder kennengelernt. Heimisch geworden ist er aber in Mainz, wo er vor 50 Jahren die erste Pizzeria eröffnete. „Da Bruno“ ist das älteste ausländische Restaurant der Stadt.

Von Christoph Husemeyer und Sascha-Pascal Schimmel

Das "Da Bruno" in der NeubrunnenstraßeBruno Bellini sitzt zusammen mit Freunden in seiner „Zweitwohnung“ und stößt mit einem lautem „Salute“ bei einem Gläschen Grappa an. „Hier ist mein Zuhause, hier fühle ich mich wohl“, bestätigt der 74-Jährige. Bis auf ein Schlafzimmer hat er hier in seiner Pizzeria alles, was er braucht. Um seinen Tisch herum sitzen weitere Freunde und Bekannte. Davon hat er in 50 Jahren als Pizzabäcker einige gefunden. „Ich liebe meine Arbeit, ich habe in diesem Beruf viele nette Menschen kennengelernt“, sagt er.

Darunter sind auch Berühmtheiten wie die Tochter Che Guevaras, Angela Merkel oder Helmut Kohl. Den Pizza-Pionier und Altkanzler Kohl verbindet eine lose Freundschaft, über die Jahre hinweg war Kohl immer wieder bei „Da Bruno“ zu Gast –  zuletzt vor rund einem Jahr. „Ich schätze Kohl als Menschen sehr“, sagt Bruno und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Bodyguards brauchte er in meinem Lokal nie“.

Schwieriger Start in Deutschland

Doch mit einigen Deutschen war der Umgang schwieriger. Um seine Ausschankerlaubnis musste Bellini anfangs ganz schön kämpfen. „Der Beamte sagte damals zu mir: ‚was bilden Sie sich überhaupt ein, hier in Deutschland ein Lokal aufzumachen?’ Erst mithilfe eines Anwalts hatte ich Erfolg.“ Bellini lud den Beamten zur Eröffnung des „Da Bruno“ ein und gewann einen Stammkunden. Anfangs musste er zudem jedes Jahr seine Aufenthaltsgenehmigung verlängern lassen.

„Pizza-Pionier“ Bruno Bellini (rechts) und Kellner Alex (Foto: Christoph Husemeyer)

Usprünglich hatte Bellini gar nicht vor, länger in Deutschland zu bleiben. Schon Frankreich, England und die Schweiz waren zuvor nur gastronomische Durchgangsstationen gewesen. Bellini arbeitete unter anderem als Barmann im Fünf-Sterne-Hotel Ritz in Paris oder auf der englischen Kanalinsel Jersey. Um die deutsche Sprache zu lernen, arbeitete er seit 1959 inWiesbaden. Nach zwei Jahren wollte er Deutschland eigentlich wieder verlassen. Doch Bellini bekam einen Tipp: Ein Freund erzählte ihm von seinem Erfolg mit einem italienischen Restaurant in Heidelberg. In Wiesbaden gab es so etwas bereits, nicht aber in Mainz. Der gelernte Hotelfachmann hoffte in der Studentenstadt auf ein gutes Geschäft und eröffnete am 1. März 1962 das erste italienische „Ristorante“ in Mainz.

Pizzeria tradizionale

Seitdem hat sich bei „Da Bruno“ wenig geändert. Genau wie vor 50 Jahren servieren die Kellner die Speisen in weißem Frack mit Fliege. Und auch die Speisekarte sieht noch fast so aus wie damals – lediglich etwas größer ist sie geworden. Auch das Innere des Lokals hat sein Aussehen größtenteils bewahrt. Über die Jahre schmücken allerdings immer neue Bilder die Wände des „Da Bruno“. Viele erinnern an Bellinis Heimat am Comer See und auf einigen lächeln seine prominenten Gäste in die Kamera. Den Einkauf erledigt Bellini immer noch selbst. „Heute nicht mehr mit dem Fahrrad wie am Anfang, sondern mit dem Auto“, scherzt er. Das übrige Geschäft führt inzwischen Bellinis Sohn Piero. Bellini lässt es sich aber dennoch nicht nehmen, jeden Tag für einige Stunden in seinem Restaurant vorbeizuschauen und nach dem Rechten zu sehen.

Wenn es nach ihm geht, soll das auch möglichst lange noch so bleiben. Heimweh hat er nicht, er möchte auf jeden Fall auch in Zukunft in Deutschland bleiben. Zwar fühlt er sich zu gleichen Teilen als Deutscher und als Italiener, seine alte Heimat besucht er aber nur für wenige Wochen im Jahr: „In Italien habe ich kaum noch Bekannte, dort bin ich eher fremd als hier“, erzählt Bellini. Auch in Mainz sind die meisten seiner Freunde Deutsche, darunter viele Stammkunden, die er alle per Handschlag in seinem Restaurant begrüßt. Auch nach 50 Jahren gibt es für Bellini keinen schöneren Ort als sein “Da Bruno“. „Deshalb würde ich alles im Leben noch einmal genauso machen“, sagt der Mainzer mit italienischen Wurzeln.