Wie rosig sind die Zukunftsaussichten in Deutschlands Städten? Es gibt Leute, die rechnen das einfach aus. Sie arbeiten zum Beispiel beim Prognos-Institut und attestieren Mainz sehr gute Chancen. Probleme drohen trotzdem. 

Im aktuellen Zukunftsatlas des Prognos-Instituts belegt Mainz Rang 45. Kein schlechter Rang bei über 400 Städten und Landkreisen in Deutschland. Die Statistiker attestieren der 200.000-Einwohner-Stadt am Rhein also sehr gute Aussichten für die Zukunft. In fünf von sechs Kategorien sehen die Forscher hohe, sehr hohe oder gar beste Chancen für Mainz. Das gilt sowohl für den Ist-Zustand – „Stärke“ – als auch für das Entwicklungspotential – gemessen in der Kategorie „Dynamik“. In den Segmenten Demografie, Arbeitsmarkt und Innovation schneidet Mainz ebenfalls gut bis sehr gut ab.

Ein Einser-Zeugnis also, wäre da nicht die letzte Kategorie. Bei „Wohlstand und soziale Lage“ sieht es für Mainz nämlich gar nicht rosig aus: Platz 339 von 402 und „hohe Risiken“, prognostiziert der Zukunftsatlas. Auf Nachfrage stellt das Prognos-Institut eine genauere Einschätzung zu den Indikatoren der sozialen Lage bereit.

Die Gründe für das schlechte Abschneiden

Das schlechte Ergebnis für Mainz sei zumindest teilweise dem geschuldet, dass Großstädte per se fast immer schlechter abschneiden als das Umland, erklärt Analytiker Peter Kaiser. Schließlich seien der Anteil der Transfergeldempfänger (Hartz IV) und die Kriminalitätsrate in Städten fast immer höher als auf dem Land. „Das gilt zwar auch für Mainz, es kann das schlechte Abschneiden bei der sozialen Lage aber nicht umfassend erklären“, sagt Kaiser.

Deutschlandkarte des Progons-Zukunftsatlas

Denn allein zwischen 2012 und 2014 hat sich Kaiser zufolge der Anteil der Transfergeldempfänger an der Gesamtbevölkerung um 6,4 Prozent erhöht. Zum Vergleich: In Westdeutschland liegt die Zunahme bei 1,4 Prozent, in Rheinland-Pfalz bei 3,4 Prozent. Insgesamt bekommen 7,4 Prozent der Mainzer Geld vom Staat. „Das liegt zwar auf Bundesdurchschnitt, aber über den Werten von Rheinland-Pfalz und den umliegenden Landkreisen“, erklärt Kaiser.

Ähnlich schlecht sieht es laut Prognos bei der Verschuldung (Platz 386) und der Kriminalitätsrate (Platz 356) aus. Besonders letztgenannte liege deutlich über dem Schnitt, sagt Kaiser. Ein Lichtblick in dieser Kategorie ist die Kaufkraft. „Die ist in Mainz richtig gut“, sagt Kaiser. Mit 107,4 liege sie 7,4 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. „Aber auch da muss man sich das Umfeld ansehen: Der Kreis Mainz-Bingen kommt hier auf 120,9“, relativiert Kaiser.

Das Umland steht besser da

Sein Fazit: „In der Kategorie ‚Wohlstand und soziale Lage´ fällt Mainz stark ab. Wir sehen, dass die Stadt hohe kommunale Kosten für Transfergeldleistungen aufwenden muss. Da bleibt wenig Geld für anderes – weder zum Schuldenabbau noch um bei den anderen Indikatoren nachzubessern.“ Die Stadt Mainz konnte trotz mehrfacher Nachfrage zu diesem Thema keinen Gesprächspartner zur Verfügung stellen und wollte den Sachverhalt auch nicht kommentieren.

Der Prognos Zukunftsatlas 2016 ermittelt die Zukunftschancen und -risiken aller 402 Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands. Er ist die Aktualisierung und Fortführung der Zukunftsatlanten aus den Jahren 2004, 2007, 2010 und 2013. Die Zukunftsperspektiven der Regionen werden in Anlehnung an zahlreiche Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung anhand eines Zukunftsindex bestimmt. Der Index beruht auf insgesamt 29 makro- und sozioökonomischen Indikatoren aus den Bereichen: Demografie, Arbeitsmarkt, Wettbewerb und Innovation sowie Wohlstand und soziale Lage.

Auch in der diesjährigen Ausgabe manifestiert sich ein starkes Süd-Nord- und West-Ost-Gefälle. Unter die Top 10 schafften es unter anderem München, Ingolstadt, Stuttgart und Frankfurt. Besonders Ostdeutschland ist auf der Karte immer noch tief blau gefärbt. Einziger Lichtblick: Leipzig, das vor allem wegen seiner demografischen Entwicklung aufgestiegen ist.