Hindernisse überall: Der Alterssimulationsanzug GERT versetzt seinen Träger in den Körper eines über 70-Jährigen. Schwere Beine, steife Gelenke, schlechte Augen, taube Ohren – ein gelebter Alptraum. 

Von Johannes Kral

Treppen steigen, Fahrpläne lesen, einen Sitzplatz im Bus ergattern, im Supermarkt die gewünschten Produkte finden oder einfach nur über die Straße gehen: Alles Alltagshandlungen, die vielen älteren Menschen teils große Probleme bereiten. Produktbeschriftungen sind nicht selten kaum lesbar, Grünphasen an Ampelanlagen oftmals viel zu kurz, Bordsteine fast unüberwindbar hoch und die Hilfsbereitschaft der Mitmenschen lässt hin und wieder auch zu wünschen übrig.

Mit welchen Hindernissen und Problemen sich ältere Menschen im Alltag konfrontiert sehen, ist jüngeren Generationen oftmals überhaupt nicht bewusst. Man steckt ja schließlich nicht drin im Körper von Oma oder Opa. Dabei wäre dies doch die beste Möglichkeit, um die täglichen Alltagshürden älterer Menschen verstehen und gemeinsam einen Blick auf diese Probleme werfen zu können.

Der gerontologische Alterssimulationsanzug GERT ermöglicht es, die Einschränkungen älterer Menschen einmal am eigenen Leibe erfahren zu können. Johannes Kral hat diesen Selbstversuch gewagt: Der Alltag eines Studenten im Körper eines über 70-Jährigen

Wer oder was ist GERT?

Der gerontologische Alterssimulationsanzug GERT wurde entwickelt, um typische Einschränkungen älterer Menschen und ihre Probleme im Alltag auch für Jüngere erlebbar zu machen.

Die Elemente des Anzugs simulieren altersbedingte Einschränkungen wie Sehkraftverlust und Einengung des Gesichtsfeldes, Hochtonschwerhörigkeit, Gelenkversteifung, Einschränkung des Greif- und Koordinationsvermögens sowie allgemeinen Kraftverlust.

Anwendung findet der GERT bspw. im Rahmen von Seminaren für Führungskräfte. Entscheidungsträger privater und öffentlicher Einrichtungen sollen so am eigenen Leib erfahren können, worauf es etwa bei Bau- und Arbeitsschutzmaßnahmen zu achten gilt, will man den Bedürfnissen einer älter werdenden Gesellschaft gerecht werden.

Einmal selbst in den GERT schlüpfen? Der gerontologische Testanzug kostet in Komplettausstattung rund 2000 Euro und kann über mehrere Anbieter bezogen werden (mehr Informationen unter www.alterssimulationsanzug-gert.de). Öffentliche Einrichtungen wie städtische Ämter, Schulen oder Universitäten haben aber auch die Möglichkeit, den GERT über die Unfallkasse Rheinland-Pfalz kostenfrei für Seminarveranstaltungen zu leihen. Weitere Informationen und Anfrage unter: UK RLP, Orensteinstr. 10, 56626 Andernach, Tel. 02632/9600, info@ukrlp.de, www.ukrlp.de.

Das Journalistische Seminar bedankt sich bei Dr. Rainer Radtke von der Unfallkasse Rheinland-Pfalz für die kostenfreie Bereitstellung des gerontologischen Testanzugs GERT und die kreative Geduld während der 6-stündigen Dreharbeiten.