Auf den Mainzer Straßen sind mittlerweile elf Elektroautos unterwegs. Dachdecker-meister Ernst Neger aus Mombach ist stolzer Besitzer eines solchen Gefährts. Warum er es sich angeschafft hat und wie viele Fahrradfahrer und Fußgänger ihn schon überhört haben, verrät er im Interview.

Das Interview führte Simone Angster

Elektro-Smart-Auto und Tank

Ihr Tacho zeigt rund 750 gefahrene Kilometer an, das sind seit der Anschaffung etwas mehr als 100 Kilometer pro Woche. Es scheint so, als wären Sie gerne mit dem Elektroauto unterwegs?

Elektro-Smart-Besitzer Ernst Neger (Foto: Simone Angster)Ja, absolut. Das Auto fährt sich prima. Aber auch unsere Mitarbeiter sind gerne damit unterwegs. Unserer Photovoltaik-Beraterin gefällt zum Beispiel, dass das Auto sich im Prinzip nicht abwürgen lässt. Aber ein paar Einschränkungen muss man eben hinnehmen. Hat man zum Beispiel noch ein paar Kilometer vor sich, wenn die Batterie zur Neige geht, sollte man Radio oder Klimaanlage ausschalten, um auch wirklich ans Ziel zu kommen.

Seit Anfang Mai fahren Sie jetzt mit ihrem Elektro-Smart durch die Gegend. Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, sich ein Elektroauto anzuschaffen?

Die Idee dazu kam eigentlich von meinem Sohn. Der wollte mit dem Auto Werbung machen für Photovoltaikanlagen, die wir auch herstellen. Das passt ganz gut zu unserer Firmenphilosophie. Denn mit einem Elektroauto kann man eben auch zeigen, dass es Fahrzeuge gibt, die mit regenerativen Energien betrieben werden.

Elektro-Smart

Der Elektro-Smart ist das Elektro-Auto, das derzeit mit am meisten auf den deutschen Straßen unterwegs ist. Seit Ende 2009 wird er gebaut und an ausgewählte Kunden ausgeliefert, die das Fahrzeug für drei Jahre zur Verfügung gestellt bekommen. Das kostet hier in Deutschland inklusive Mehrwertsteuer 833 Euro im Monat. Ab Mitte 2012 wird der E-Smart dann auch für Privatkunden zu haben sein – der Preis steht allerdings noch nicht fest. Aktuell gibt es etwa 1.500 Exemplare des Elektro-Smarts, die in 18 Ländern weltweit unterwegs sind. In Mainz und Umland sind es derzeit 16 Autos.

Und das tun Sie im Fall des Elektro-Smarts jetzt schon?

Nein. Momentan laden wir das Fahrzeug noch an einer normalen Steckdose auf, aus der konventioneller Strom kommt. In Zukunft wollen wir das Auto aber vielleicht über unsere eigene Solaranlage aufladen. Dazu müssten wir dann aber zum Beispiel noch den Zähler umstellen.

Kann ich denn einfach so zu Daimler gehen und mir einen Elektro-Smart kaufen?

Als Privatperson geht das wohl erst ab nächstem Jahr. Wir als Firmenkunden sind jetzt schon mit dem Elektro-Smart unterwegs. Das kostet uns rund 800 Euro im Monat, aber da sind dann auch die Kosten für neue Batterien oder Reifen mit drin (siehe Kasten).

Und was ist mit den laufenden Kosten?

Die kommen noch dazu, sind aber nicht allzu hoch. Wenn die Batterie komplett leer wäre, würde das Aufladen zwischen drei und vier Euro kosten und damit komme ich dann wieder bis zu 135 Kilometer weit. Mit einem konventionellen Smart würde ich für dieselbe Strecke mehr als das Doppelte an Spritkosten bezahlen.

Die Ladeanzeige vom Elektro-Smart (Foto: Simone Angster)

Elektroauto: Die Ladeanzeige zeigt, wie voll die Batterie noch ist

Dafür ist bei einem normalen Auto das Tanken einfacher…

Auf den ersten Blick schon. Aber auch mit dem Elektroauto ist das kein Problem. Je nachdem, wo der Zeiger der Ladeanzeige steht, hänge ich den Elektro-Smart einfach abends an die Steckdose und dann ist er am nächsten Morgen wieder vollgeladen.

Also nutzen Sie das Auto nur tagsüber?

Genau, es ist ja ein Geschäftswagen. Morgens fahre ich eigentlich täglich hier durch Mombach, zum Beispiel auf die Bank. Aber auch die Kollegen, die die Beratung für Photovoltaikanlagen machen, nehmen den Elektro-Smart gerne mit. Denn das Auto erregt schon Aufsehen.

Das steckt im Elektro-Smart
Reichweite 135 km
Höchstgeschwindigkeit 100 km/h
Beschleunigung 0-60 km/h 6,5 s
Durchschnittliche Ladedauer Haussteckdose (220 V) 20-80 % 3,5 h
Durchschnittliche Ladedauer Haussteckdose (220 V) 100 % 8 h
Dauerleistung 20 kW
Spitzenleistung 30 kW
Drehmoment 120 Nm
Außengeräusch beim Fahren 69 db-A

Die Reaktionen Ihrer Kunden auf das Elektroauto sind also positiv?

Unsere Mitarbeiter werden schon darauf angesprochen, ob sich das denn rentiert, ob so ein Elektroauto Sinn macht. Es ist auf jeden Fall ein Hingucker, aber es ist nicht so, dass wir zum Beispiel durch Weiterempfehlungen mehr Geld verdienen würden.

Und wie viele Fahrradfahrer oder Fußgänger hätten Sie denn beinahe schon umgefahren, weil die Sie nicht gehört haben?

Also Feindkontakt gab es noch nicht, denn ich mache auch immer einen relativ großen Bogen um Fahrradfahrer und Fußgänger. Aber es sind ja jetzt auch Überlegungen im Gange, ob man die Elektroautos nicht mit künstlichem Geräusch ausstatten sollte. Vielleicht könnte man dafür ja ein Porschegeräusch nehmen.

Dann würden Sie sich auch noch weitere Elektroautos anschaffen?

Nein, im Moment gibt es solche Überlegungen nicht. Den, den wir haben, der läuft ja hauptsächlich für die Werbung. Ansonsten brauchen wir auch eher Lastwagen und der Elektro-Smart ist ein Zwei-Personen-Auto. Das lohnt sich vielleicht für Pflegedienste, die nicht so viel transportieren müssen wie wir aber nicht für uns.

Elektroauto-Pläne deutscher AutobauerAudi
Unter dem Namen e-tron entwickelt Audi seine Elektroautos. Als erster e-tron wird Ende 2012 der Audi R8 in einer Kleinserie auf den Markt kommen.BMW
BMWs ActivE-Elektroflotte soll ab 2013 auf den Straßen unterwegs sein. Dazu ist zunächst eine Feldstudie mit 100 Autos in Deutschland geplant. Der BMWi 3 soll dann als erstes BMW-Elektro-Modell zu haben sein.Opel
Opels Elektroauto Ampera ist seit Juli 2011 auf dem Markt und wird ab Herbst an Kunden, die das Auto zuvor bestellt hatten, ausgeliefert. Ab 2012 wird dann das Standardmodell für rund 43.000 Euro für jedermann zu haben sein.VW
Als erstes Elektroauto wird Volkswagen voraussichtlich 2013 den „up! blue-e-motion“ (ein Cityauto) auf den Markt bringen. Ab 2013 sollen auch der „Golf blue-e-motion“ (85 kW, 140 km/h, bis zu 150 Kilometer Reichweite) und der „Jetta blue-e-motion“ zu haben sein.

Wir waren einen Tag mit einem Elektro-Smart im Mainzer Umland unterwegs. Wie sich das anfühlt, können Sie hier sehen.