Strommasten im Sonnenuntergang

Ohne Atomkraftwerke versinkt Deutschland im Chaos: Tausende sitzen in Zügen fest, medizinische Geräte laufen nur noch eingeschränkt, die Versorgung mit Lebensmitteln bricht zusammen. So das Szenario der Atomlobby. Müssen wir nach dem Ausstieg aus der Kernkraft jetzt alle fürchten, dass uns der Strom ausgeht? Werden die Strompreise steigen? Wir haben weit verbreitete Energiemythen überprüft.

von Markus Lojen

Mythos 1: Ohne Atomstrom gehen die Lichter aus

Die reale Gefahr eines deutschlandweiten Stromausfalls ist gering: Deutschland produziert mehr Strom als es verbraucht, rund 80 Gigawatt. Auch im Winter müssen die Bürger nicht mit einem Blackout-Szenario rechnen.

Im Winter sind mehr Kraftwerke am Netz als im Sommer, da die Betreiber der Kraftwerke notwendige Sicherheitschecks oft in den Sommermonaten durchführen. Zusätzlich kann im Notfall auch Strom aus anderen Ländern eingekauft werden.

Mythos 2: Strom muss importiert werden

Bereits vor der Energiewende hat Deutschland Strom von seinen Nachbarländern importiert, wenn dieser dort  günstiger war. Nach dem Abschalten von acht Kernkraftwerken importiert Deutschland auch Strom aus Frankreich, exportiert aber auch weiter Strom in andere europäische Länder, wie zum Beispiel Österreich.

Stromnetze: Wo kommt eigentlich unser Strom her?

Die Frage, ob Strom importiert wird oder nicht, entscheidet sich jeweils nach aktueller Marktlage – je nachdem welches Land aktuell den günstigsten Strom produziert.

Mythos 3: Strom wird teurer

Der Strompreis hängt von vielen Variablen ab, daher ist es schwierig, eine verbindliche Prognose abzugeben. Experten und Wissenschaftler sind sich uneinig, wie sich der Strompreis entwickeln wird.

Während die Energiekonzerne deutliche Preisanstiege ankündigen, rechnet die Bundesnetzagentur nicht mit dramatischen Veränderungen. Das Bundesumweltamt erwartet eine moderate Strompreiserhöhung von 0,6 bis 0,8 Cent pro Kilowattstunde.

Mythos 4: Atomenergie ist gut für das Klima

Die Behauptung, Atomenergie sei CO2-neutral, ist falsch. Durch den Abbau von Uran, den Transport nach Deutschland und die Anreicherung wird CO2 freigesetzt. Die Annahme, dass Kernkraft umweltfreundlicher ist als andere Arten der Energieversorgung, entspricht nicht der Wahrheit.

Stromtrassen von Nord nach Süd: umweltfreundlich geht anders

Mythos 5: Wir brauchen viele, teure „Stromautobahnen“, um das Land mit Energie versorgen zu können

Der Strom, der in Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee gewonnen wird, soll in den Süden Deutschlands transportiert werden. Dazu müssten die Stromtrassen ausgebaut werden.

Allerdings gibt es eine Alternative zum Stromtransport aus den Offshore-Anlagen: Eine dezentrale Versorgung aus regional gewonnenen erneuerbaren Energien (z.B. Windkraft, Solaranlagen, Biomassekraftwerke) ist verbrauchernah und umweltfreundlicher.