Blick auf Mainzer Dom (Foto: dpa)

Die Stadt Mainz will Solarstadt werden. Dazu hat sie extra das Programm „500 Dächer für Mainz“ aufgelegt. Das war 2009. Jetzt, nach zwei Jahren, zeigt sich: Statt 500 haben es bisher nur 63 Photovoltaikanlagen auf Mainzer Dächer geschafft. Das Programm dümpelt vor sich hin.

von Gesche Brock und Meike Büchner

Die Stadt Mainz ist ganz vorn mit dabei  – zumindest auf der Trefferliste von Google. Füttert  man die Suchmaschine mit den Begriffen „Solarstrom“ und „Mainz“, landet man als allererstes auf den stadteigenen Webseiten. In roten Lettern prahlt dort die Stadt, sie wolle Solarstadt werden, denn: „Solarstrom rechnet sich für Alle“.

Alle, das sind Hausbesitzer, Handwerker, Banken und die Firma Schott Solar. Einerseits sollen bei dem Programm Hausbesitzer dank dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Geld mit ihrer Photovoltaikanlage verdienen. Andererseits soll aber auch die lokale Wirtschaft profitieren. Dazu beauftragen die Hausbesitzer einen der sieben Mainzer Handwerksbetriebe, die Partner des Programms „500 Dächer für Mainz“ sind.  Dieser Handwerksbetrieb wiederum kauft die passenden Solarmodule bei der ortsansässigen Firma Schott Solar. Um Versicherung und Finanzierung der Anlagen kümmern sich die Mainzer Volksbank und die Sparkasse.

Wind, Sonne, Biomasse: Das Mainzer Energiekonzept

Das 500-Dächer-Programm ist Teil des Mainzer Energiekonzepts. Bis zum Jahr 2020 will die Stadt Mainz 30 Prozent des Strombedarfs aus regenerativen Energien erzeugen. Dabei setzt sie auf einen Energiemix aus Sonne, Wind und Biomasse. Doch können einzelne Städte wirklich einen sinnvollen Beitrag zur Energiewende leisten? Mehr im Audio

Mainz ist von 500 Photovoltaikanlagen weit entfernt

Das Programm klingt verlockend: Mit Solarstrom umweltbewusst Geld verdienen und gleichzeitig die lokale Wirtschaft ankurbeln. Anderenorts hat das Konzept auch schon gut funktioniert. Zum Beispiel in Aschaffenburg: 2009 ließen sich dort innerhalb von nur acht Monaten 500 Hausbesitzer eine Solaranlage der Firma Schott Solar aufs Dach montieren.

Zwei Handwerker installieren Photovoltaik-Anlage

Photovoltaik-Anlagen: Nur wenige werden mit dem Mainzer Porgramm installiert

Doch in Mainz ist das anders. Das Interesse der Mainzer Bürger scheint nicht allzu groß zu sein. Seit dem Start des Programms im August 2009 haben es bislang nur 63 Photovoltaikanlagen auf Mainzer Privatdächer geschafft. Diese Information steht seit Mitte 2010 auf der Internetseite der Stadt Mainz. Auf Nachfrage konnten weder die Stadt noch die Stadtwerke diese Zahl bestätigen.

Festzuhalten bleibt: 63 Dächer sind weniger als 13 Prozent des Gesamtziels. Die Zurückhaltung der Mainzer haben auch die Handwerksbetriebe bemerkt, die Partner des Programms sind.  Auf die Frage, wie groß denn das Interesse der Bürger sei, antwortet ein Mitarbeiter der Elektrotechnik GmbH Destrée in Gau-Algesheim: „Ehrlich gesagt, Sie sind die Ersten, die nachfragen.“ Elektroinstallateur Thomas Haus berichtet zumindest von zehn Aufträgen, die er innerhalb der vergangenen zwei Jahre über das 500-Dächer-Programm erhalten habe: „Doch die Tür rennen mir die Kunden nicht ein!“, räumt auch er ein.

Und plötzlich ist es nur ein Werbeprogramm

Den Eindruck der Handwerker bestätigt auch Thomas Pensel vom Mainzer Umweltamt. Es würden zwar schon Photovoltaikanlagen auf Mainzer Dächern installiert, jedoch nicht im Rahmen des Programms: „Die Module von Schott sind relativ teuer“, gibt er zu bedenken.

Sonnenblume auf Photovoltaik-Anlage

Schöner Schein: Das 500-Dächer-Programm ist nur noch Werbung

Das Problem: 2010 kürzte die Bundesregierung gleich zwei Mal die  Einspeisevergütung. Hausbesitzer, die 2009 eine Solaranlage auf ihr Dach gebaut haben, erhalten noch bis zu 43 Cent pro Kilowattstunde. Anders sieht das bei Hausbesitzern aus, die erst 2010 auf selbst produzierten Solarstrom gesetzt haben: Seit Oktober 2010 bekommen sie nur noch 33 Cent pro Kilowattstunde. Im Januar 2011 fiel die Einspeisevergütung ein weiteres Mal: Für Anlagen, die 2011 installiert werden, gibt es höchstens noch gut 28 Cent pro Kilowattstunde. Doch als gescheitert sieht Pensel das Programm nicht: Für ihn ist es ein Marketingkonzept. „Das 500-Dächer-Programm ist ein Werbeprogramm für Photovoltaik.“ Ob die 500 Dächer je erreicht werden, lässt er dahingestellt – Solaranlagen würden in Mainz ja auch außerhalb des Programms gebaut, Tendenz weiter steigend.

Die Programmverantwortlichen sind sich uneins…

Daniela Müller von den Stadtwerken Mainz ist da anderer Meinung. Sie ist für die Koordination des Programms bei den Stadtwerken verantwortlich. „Das Programm läuft so lange, bis die 500 Dächer bestückt sind.“ Die Umsetzung sei zwar ins Stocken geraten, doch sie sei zuversichtlich auch mit den hochpreisigen Modulen von Schott die 500 Dächer zu erreichen. „Wer sich für Module von Schott entscheidet, hat ein Qualitätsprodukt auf dem Dach.“

Aber für die Wirtschaftlichkeit einer Anlage seien nicht die Module ausschlaggebend. Das zumindest erklärt Energieberater Hermann Obermeyer von der Verbraucherzentrale. „Das Dach ist am wichtigsten: Zeigt es nach Süden und ist schattenfrei, habe ich den größten Ertrag,“ so Obermeyer. Große Qualitätsunterschiede bei Solarmodulen kann er nicht feststellen.

…und die Initiatoren bleiben unauffindbar

Letztlich fällt auf, dass die Verantwortlichen des Programms „500 Dächer für Mainz“ – also Stadt und Stadtwerke – nicht einheitlich kommunizieren. Begibt man sich zudem auf die Suche nach den Initiatoren des Programms, will es keiner gewesen sein. Während Thomas Pensel sagt, Schott Solar sei 2009 auf die Stadt zugekommen, meint Schott-Sprecherin Christina Rettig: „Die Initiative lag bei der Stadt.“ Somit konnte auch Schott nicht sagen, wie viele Photovoltaikanlagen denn noch fehlen, um 500 Dächer in Mainz zu bedecken.

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