Der demografische Wandel wirkt sich auch auf die Religion aus. Die Kirchen und Gemeinden altern ebenfalls. Gibt es in Mainz noch eine „junge Religion“?

Von Julius Sandmann

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Die Gemeinde der evangelische Friedenskirche in Mombach ist eine der älteren Gemeinden in Mainz. Dennoch versucht Pfarrer Stephan Müller-Kracht mit Kindergottesdiensten und anderen Angeboten auch jüngere Menschen zu begeistern – ohne den Kontakt zu den älteren Gemeindemitgliedern zu verlieren. Die Konkurrenz sei groß, erzählt er: „Die Jugendlichen stehen unter ganz enormem Stress. Das kriege ich auch bei unseren eigenen Kindern mit. Die Schule ist anspruchsvoller geworden.“

Mit Liedern und Schauspielen im Kindergottesdienst versucht Müller-Kracht, die Kinder von den schönen Aspekten des Christentums zu überzeugen. Zudem bindet er sie aktiv in den Gottesdienst mit ein: Die Kinder tanzen, ahmen Bewegungen nach oder helfen beim Anzünden einer Kerze. Die Botschaft des Evangeliums sei sehr attraktiv, sagt Müller-Kracht. Er mache sich allerdings auch Gedanken, wie er neben den Kindern auch die Jugendlichen wieder in die Gottesdienste locken könne: „Wir versuchen in den Bereichen Kommunikation, Design, Medien, Kunst, Kultur und Musik ein paar erfrischende Dinge auf die Kanzel zu bringen.“

Zwischen Tradition und Moderne – kirchliche Identität

Aber auch die traditionellen Lieder und Psalme sollen bei all der Modernität nicht vergessen werden. Rund 31.000 Menschen zwischen 18 bis 29 Jahren in Mainz geben an, einer christlichen Religion anzugehören. Trotzdem muss sich laut Müller-Kracht die christliche Kirche ein wenig bewegen, um sich in den nächsten 20 Jahren im gesellschaftlichen Wandel behaupten zu können.  „Wir sind dabei, Kontakte zu knüpfen zum marokkanischen Arbeiterverein und ihrer Moschee oder zu Jugendlichen mit einem Migrationshintergrund.“, erzählt er. Die eigene Identität müsse jedoch bewahrt bleiben.

Diese Identität soll schon den kleinsten Mitgliedern nahe gebracht werden. Genauso wie die Bedeutung der ehrenamtlichen Mitarbeit für das Gemeindeleben. Trotz aller Mühen seien jedoch Veränderungen zu erkennen, vor allem was die Übernahme von regelmäßiger Verantwortung betreffe, erklärt der evangelische Pfarrer: „Also wenn man attraktive Angebote hat, zum Beispiel Chill and Grill, Play & Pray oder Freizeiten und Touren – das läuft richtig gut. Dagegen sind regelmäßige Aufgaben – jede Woche eine Kindergruppe zu betreuen – eher schwierig geworden.“ Müller-Kracht will sich weiter darum bemühen, den Jüngeren den christlichen Glauben und das Gemeindeleben zu vermitteln.

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