Zum Lachen in den Keller? Wer die Treppen im historischen Ambiente am Proviant-Magazin hinuntergeht, wird im dortigen Museum mit Hintergründen zur  „Mainzer Fassenacht“ belohnt. Eine Reise in die Fastnachts-Geschichte der Stadt.

Höchstens 25 Kilogramm und aus Pappmaché: Ein Schwellkopp - sie bereichern den Mainzer Rosenmontagsumzug seit 1927. (Fastnachtsmuseum Mainz / Foto v. M. Senne)

Höchstens 25 Kilogramm und aus Pappmaché: ein Schwellkopp – sie bereichern den Mainzer Rosenmontagsumzug seit 1927
(Foto: Martin Senne)

Die Ursprünge der Mainzer Straßenfastnacht sind schwierig zu ergründen. Im Fastnachtsmuseum wird zumindest ein äußerst knapper Versuch unternommen. Klar ist: Die Kölner waren ein paar Jahre schneller – die Mainzer sind aber politischer. Ihre Gründungsjahre fallen zwischen Napoleon und der Revolution von 1848.

Als Geburtsstunde der Mainzer Fastnacht gilt  der Auftritt der Mainzer Ranzengarde innerhalb des „Krähwinkler Landsturms“ im Jahr 1837. Er war ein Vorläufer des  Rosenmontagsumzuges. Zugleich gründete sich in diesem Jahr die Ranzengarde als die älteste Mainzer Fastnachtsgarde. Im Januar 1838 folgte der Mainzer Carneval-Verein (MCV), der für den 26. Februar im gleichen Jahr einen „Fastnachtsmontagszug“ beantragte. Bis heute hat der MCV die Zugorganisation inne.

Einblicke in die Vergangenheit

"Damit unliebsame Vorkommnisse vermieden werden": Zensur und Vereinsverbote durch NS-Diktatur 1933

NS-Anschreiben an Vereine 1933 (Foto: Martin Senne)

Der Museumsbesucher findet neben den seit 1927 im Rosenmontagszug mitlaufenden Schwellköppen, verschiedenen Gardeuniformen und Fastnachtsorden, sehr komprimierte Informationen zur Fastnachtgeschichte. Kurz wird auch auf die dunkle Seite der Fastnacht im Nationalsozialismus eingegangen. Wobei hier die kritischen Geister, etwa wie Seppel Glückert, für ihre Courage gelobt, die negativen Auswirkungen einer gleichgeschalteten Fastnacht aber nicht näher beleuchtet werden.  Das dürfte allerdings auch an der allgemein dürftigen wissenschaftlichen Forschungslage in Mainz liegen. Texte und Programm mussten jedenfalls bereits 1933 der NSDAP zur Genehmigung vorgelegt werden – „damit unliebsame Vorkommnisse vermieden werden“, heißt es in einem ausgestellten Schrieb der NSDAP-Kreisleitung.

Neben Gardeuniform und Schwellköppe versteckt: Die Entwürfe der Mainzer Motivwagen der letzten Jahre. (Fastnachtsmuseum Mainz / Foto v. M. Senne)
Neben Gardeuniform und Schwellköppen versteckt: Entwürfe der Mainzer Motivwagen der letzten Jahre (Foto: Martin Senne)

Besonders interessant für Besucher und Fastnachtskenner: Die Fernseher mit alten Aufnahmen.  Hier haben sowohl die Mainzer Fernsehfastnacht (erstmalig 1955) ihren Platz als auch Fastnachtsschlager oder Auszüge aus den Rosenmontagszügen.

Das zeithistorische Highlight findet sich unscheinbar versteckt auf Aluminium aufgedruckt: Eine Übersicht aller politischen Motivwagen am Rosenmontagsumzug des vergangenen Jahrzehnts.

Nach dem Zugende jedenfalls darf dann jeder weiterfeiern, auf der nach Museumsangaben „größten Fastnachtsparty in Europa“ . Auf der „Lu“, der Mainzer Ludwigsstraße, tanzen jedes Jahr durchschnittlich 250.000 Besucher bei der „Rosenmondnacht“.

Museum mit Potential

Fazit: Klein, aber fein. Das Museum ist in erster Linie eine Erinnerung und Hommage an die Mainzer Fastnacht – aber kein historisches Fachmuseum. Es ist ein Museum mit viel Potential, ehrenamtlich betrieben, für den Fastnachtsliebhaber.

Geöffnet ist das Museum immer dienstags bis sonntags zwischen 11 und 17 Uhr. Der Eintritt kostet 1,50 Euro, Kinder und Studenten erhalten eine Ermäßigung. Weitere Informationen unter www.mainzer-fastnachtsmuseum.de.

(Beitragsbild: Wiki-Commons/Kandschwar, unter Lizenz CC SA 3.0.)

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