Alin, Pavel und Kerstin – drei Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und trotzdem haben sie etwas gemeinsam: Sie wollen ihren Weg in der Musikszene machen und haben dafür an der Musikhochschule Mainz studiert. Doch wie geht es nach dem Abschluss weiter?

Etwas außer Atem kommt Alin Deleanu in der Musikhochschule an. „Ich habe schon einen langen Tag hinter mir“, sagt er zur Begrüßung. Und der Tag ist noch lange nicht vorbei: Heute wird Alin das erste Mal ein ganz neues Stück singen. „Nächstes Jahr spiele ich bei einer Uraufführung mit“, sagt er und lächelt stolz. Dann setzt er sich neben Dozent Christian Rohrbach und zeigt ihm die Noten einer zeitgenössischen Oper, die im nächsten Jahr in Mannheim uraufgeführt wird. „Na das klingt doch gut“, sagt Christian und beginnt ein Stück daraus zu spielen, das er zum ersten Mal vor sich hat. Seine Finger fliegen leicht über die Tasten, Alin singt dazu den teils stark dialektreichen Text. Zwischendurch flucht er leise, wenn er einen Ton nicht ganz sauber getroffen hat. Dann lacht er laut über seinen Fehler.

Alin Deleanu Foto: Denise Frommeyer

Alin Deleanu (Foto: Denise Frommeyer)

Der 31-jährige Rumäne hat gerade sein Konzertexamen an der Musikhochschule gemacht und ist als Countertenor schon voll in die Produktionen am Mainzer Staatstheater und an anderen Häusern eingebunden. Schon als Kind wusste Alin, dass es ihn irgendwann auf die Bühne ziehen würde. „Ich war ein kompliziertes Kind, habe viel geschrien“, erinnert er sich. „Ich brauchte Aufmerksamkeit, habe gerne fantastische Geschichten erzählt oder stundenlang vor dem Spiegel Grimassen gezogen.“ Mit neun Jahren ging er dann in die Musikschule und lernte Gitarre. Nach dem Musikgymnasium arbeitete er schon an einer Oper. Danach wollte er zum Studium raus aus Rumänien: London, Paris oder Madrid. Schließlich wurde es Berlin, wo er Gesang studierte und sich auch mit Schauspiel auseinandersetzte. Vor zwei Jahren zog es ihn dann für das Konzertexamen nach Mainz. „In Berlin kannst du nicht deine Karriere beginnen. Dort spielen die Besten der Besten. In Mainz oder anderen kleinen Städten sind die Chancen höher. Von hier aus kann ich mich hocharbeiten.“

„Der Übergang ist fließend“

Auch Pavel Klimashevsky und Kerstin Haberecht haben an der Musikhochschule studiert. Wenn die beiden ihre Instrumente hervorholen, liegt  ein freudiger Glanz in ihren Augen – auch nach so vielen Jahren der Praxis. „Ich bin noch ein wenig kaputt von gestern“, sagt Kerstin entschuldigend, während sie ihr Saxofon zusammenbaut. Am Abend zuvor hat die 26-Jährige ihr Abschlusskonzert mit eigenen Kompositionen an der Hochschule gespielt.  Auch Pavel war dort und schwärmt von ihrem Auftritt. „Ach, hör doch auf!“, sagt Kerstin und lacht. Dann beginnen die beiden zu spielen, ohne Noten, frei aus dem Bauch heraus.

Kerstin und Pavel spielen gerne gemeinsam. Foto: Denise Frommeyer

Kerstin und Pavel spielen gerne gemeinsam. (Foto: Denise Frommeyer)

Beide haben Jazz- und Popularmusik studiert. Neben ihrem Studium unterrichten sie Kinder und verfolgen mehrere Bandprojekte. Kerstin spielt zum Beispiel als Aushilfe für die Big Band des Hessischen Rundfunks, Pavel arrangiert Stücke für Orchester. „Da man schon während des Studiums auf die Realität vorbereitet wird, ist es ein fließender Übergang“, sagt Pavel. Schon immer wollten er und Kerstin etwas mit Musik machen. Kerstin macht Musik seit sie vier Jahre alt ist und merkte schnell, dass ihr das Spaß machte. Zuerst spielte sie Blockflöte. Angetan hat es ihr dann das Saxofon. In ihrer Jugend war sie dann in verschiedenen Bands aktiv. „Ich dachte mir dann, wenn ich das nicht studiere, werden alle anderen besser und nur ich nicht“, sagt sie und lacht. Auch Pavel wurde früh geprägt. Sein Vater, Jazzer und Leader einer Big Band, ist sein Vorbild. „Ich wollte auch immer so etwas machen“, sagt der 30-Jährige. Pavel ist Autodidakt. Sein Vater habe ihm gezeigt, was und wie er spielen muss, sagt er. „Ich habe vielleicht zwei bis drei Stunden Profiunterricht bekommen, den Rest habe ich mir selbst beigebracht.“ Nun spielt er E-Bass, Kontrabass und Klavier.

„Es ist harte Arbeit“

Viele denken, Musik sei kein ernster Job, sagt Pavel. „Dabei ist es sehr harte Arbeit.“ Pro Tag sind schon mehr als acht Stunden Üben vorgesehen, wenn man richtig gut werden will. Mittlerweile verteidigen Kerstin und Pavel nicht einmal mehr ihre Leidenschaft gegen Kritiker und dumme Fragen. „Es ist eben ein Handwerk, das man verstehen muss“, sagt Kerstin. „Was willst du da groß sagen?“ Beide sind zufrieden mit ihrem Studium an der Musikhochschule und dem Weg, den sie eingeschlagen haben. Die Projekte, die neben dem Studium entstanden sind, seien eine gute Grundlage für das spätere Berufsleben. Und die Konkurrenz ist hoch: Nur 40 Stellen sind in ganz Deutschland verfügbar. „Da muss man sehen, wo man bleibt“, sagt Kerstin.

Auch Alin schaut zufrieden auf sein Studium in Mainz zurück. „Es war eine fantastische Zeit“, sagt er und lächelt. „Ich finde wirklich kein anderes Wort dafür.“ Sein Studium sei als eine Art Kontaktbörse angelegt gewesen. Er sei sehr dankbar für die Kontakte, die er dadurch knüpfen konnte. Vor allem seine Dozentin habe ihm sehr dabei geholfen. „Besser geht es wirklich nicht.“

Und jetzt?

Und was machen die drei in Zukunft? Pavel ist erst einmal sehr zufrieden mit dem, was er hat. „Ich bin sehr glücklich und habe alles erreicht, was ich erreichen wollte“, sagt er. Alles mache viel Spaß, es könne nur etwas regelmäßigere Termine für Aufführungen geben. Kerstin kann sich vorstellen, an der Hochschule zu arbeiten oder eine feste Stelle in der HR Big Band zu bekommen. „Man muss offen bleiben und gucken, welche Tür sich öffnet“, sagt sie. Countertenor Alin ist ab September fest am Staatstheater Mainz engagiert. Darüber freut er sich sehr. „Ansonsten wünsche ich mir nur, dass mein Beruf nicht langweilig wird.“ In großen Häusern wie der Met in New York zu singen, ist erst einmal kein Thema für den Sänger. „Künstlerische Vollkommenheit hängt nicht davon ab, wo du singst, sondern ob du dich dabei wohlfühlst. Die Met ist auch nur ein Gebäude aus Beton und Glas.“

(Beitragsbild: Denise Frommeyer)

[starbox]