Brandgefahr beim Löschen von Photovoltaik-Anlagen.

Photovoltaik-Anlagen stehen immer öfter in der Kritik. Kritiker warnen, die Module würden bei einem Brand die Löscharbeiten erschweren, teils sogar unmöglich machen. Außerdem könnten sich die Solarstromanlagen selbst entzünden.

Von Kristina Klement

Es war ein Mammutprojekt. Im April 2004 wurde im hessischen Bürstadt die größte Dachflächen-Photovoltaik-Anlage der Welt in Betrieb genommen. Auf dem Dach eines Logistikunternehmens blitzten rund 30 000 Solarmodule und fingen auf einer Fläche von acht Fußballfeldern das Licht der Sonne auf. 1500 Haushalte konnten mit den 4500 Kilowattstunden Strom, die die Anlage im Jahr produzierte, versorgt werden. Der Traum vom Sonnenstrom währte jedoch nicht lange: Am 28. Juni 2009 geriet die Photovoltaik-Anlage in Brand. Drei Stunden dauerte es, bis 70 Feuerwehrleute den Brand auf der riesigen Fläche gelöscht hatten. Die Anlage ist mittlerweile demontiert und die Bürstädter beziehen wieder herkömmlichen Strom. Der Grund für den Brand ist mittlerweile bekannt: Fehlerhafte elektrische Verbindungen zwischen den einzelnen Solarmodulen hatten sich überhitzt und so entzündet.

Können sich Photovoltaik-Anlagen selbst entzünden?

Foto: dpa

Pfenningfuchser unerwünscht: Die Installation von Solarmodulen sollten Profis übernehmen

Der Fall Bürstadt ist vielleicht der prominenteste, jedoch leider nicht der einzige Fall, in dem eine Photovoltaik-Anlage einen Brand verursacht hat. Immer wieder kommt es vor, dass Dachstühle wegen Solarstromanlagen in Brand geraten. Schuld daran sind jedoch nicht die Anlagen selbst, sondern sparwütige Bauherrn und unvorsichtige, schlecht ausgebildete Installateure. „Photovoltaik-Anlagen können sich nicht selbst entzünden. Werden allerdings die Kabel falsch verlegt und dann zum Beispiel von einem Marder durchgebissen, kann es zu einem Lichtbogen kommen, der den Dachstuhl in Brand setzt“, erklärt der Elektromeister Johann Bauer, der sich auf Sonnenstrom spezialisiert hat. Er warnt daher vor Billig-Anbietern. „Wichtig ist, dass die Anlage von Leuten installiert wird, die etwas davon verstehen. Es gibt ein genaues Vorschriftenwerk und wenn man dieses einhält, lassen sich bereits 90 Prozent der Vorfälle vermeiden.“ Um Bauherren vor bösen Überraschungen zu schützen, bietet außerdem die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) an, die fertigen Anlagen vor Inbetriebnahme zu prüfen und abzunehmen.

Photovoltaik – Gefahren im Feuerwehreinsatz

Photovoltaik-Anlagen selbst sind also kaum brandgefährlich. Brenzlig wird es aber, wenn Häuser, auf denen diese installiert sind, in Brand geraten. Wenn die Sonne auf eine Anlage scheint, produziert sie Gleichstrom. Dieser läuft über Kabel ins Gebäude, wo es dann von einem Aggregat in Wechselstrom umgewandelt wird. Dieser Wechselrichter sowie der Hauptstromschalter lassen sich ausschalten, sodass kein Strom mehr im Haus fließt. Der Bereich zwischen den Solarmodulen auf dem Dach und dem Wechselstromschalter steht jedoch weiterhin unter Strom. Da der Wechselstromschalter meist im Keller sitzt, ergibt sich daraus oft eine große Fläche, die unter Spannung steht, die nicht abgestellt werden kann. Gerät das Haus dann in Brand, laufen Feuerwehrleute Gefahr, mit ihrem Löschstrahl die Module zu treffen, die ja weiterhin so lange unter Strom stehen, wie Licht darauf fällt. Bis zu 1000 Volt sind hier gängig. Dabei ist ein Stromschlag laut Deutscher Industrienorm bereits ab 120 Volt lebensgefährlich.

Kein Wunder, dass sich immer wieder Feuerwehrleute dazu entscheiden, Häuser kontrolliert abbrennen zu lassen, anstatt den Löschstrahl auf die geladenen Platten zu richten. Damit machen sie sich jedoch strafbar, denn es gibt mittlerweile verbindliche Vorgaben zum Löschen von Häusern mit Photovoltaik-Anlagen. „Wir halten regelmäßig Schulungen ab, um unsere Mitarbeiter auf diese Sondersituation vorzubereiten“, erzählt Katja Tassler, die im Leitdienst der Berufsfeuerwehr Mainz tätig ist. „Je nachdem, wie viel Strom auf der Anlage liegt, gilt es einen Mindestabstand beim Löschen einzuhalten. Bei weniger als 1000 Volt reichen ein bis fünf Meter Abstand, bei über 1000 Volt sollten die Feuerwehrleute fünf bis zehn Meter Abstand halten. Dann kann nichts passieren“.

Ob Blechdach oder Solarmodul: Beim Öffnen der Dachhaut muss es schnell gehen

Gefährlich sind auch Dächer, die komplett mit Solarmodulen bedeckt sind. Bei einem starken Brand muss die Feuerwehr oft die Dachhaut öffnen, um einen Abzug für die heiße Luft zu ermöglichen oder sich Zugang zum Brandherd zu verschaffen. Die DGS empfiehlt daher, zwischen den einzelnen Platten Zwischenräume von 15 Zentimeter Breite freizulassen, um den Feuerwehrleuten Zugang zu verschaffen. Johann Bauer kann die Bedenken nicht nachvollziehen: „Bei Blechdächern gibt es doch das gleiche Problem. Allerdings lassen sich Photovoltaik-Platten ganz einfach mit der Feuerwehraxt zertrümmern. Sobald die Platte einmal zerteilt ist, liegt auch keine elektrische Spannung mehr darauf.“

Photovoltaik-Anlagen: Brand löschen ist nicht ungefährlich

Ein weiteres Problem sieht Feuerwehrfrau Tassler in großen Solarmodul-Platten, die sich durch die Hitze vom Dach lösen und wie Schneelawinen abrutschen können. Außerdem drohen die Glasplatten, durch die Hitze zu zerspringen und so als spitze Geschosse umherzufliegen. „Manche Installateure setzen daher heute auf Spezialglas, das in viele kleine Splitter zerbirst“, weiß Elektrotechniker Bauer. Es gibt also noch den einen oder anderen Schönheitsfehler auf dem Gebiet der Solarenergie. Um diese zu beheben und reibungslose Löscharbeiten zu gewährleisten, müssen in erster Linie verbindliche Baurichtlinien her – da sind sich die Feuerwehrfrau und der Elektrotechniker einig. „Wir müssten bei einem Einsatz sofort wissen, dass eine Photovoltaik-Anlage auf dem Haus installiert ist, wo der Hauptschalter ist und wie viel Strom auf den Solarmodulen liegt. Bei anderen elektronischen Anlagen sind solche Richtlinien längst Standard“, bemängelt Tassler. Bauer wünscht sich außerdem mehr geschultes Personal: „In der Regel werden Photovoltaik-Anlagen von Fachfremden gebaut und entworfen – nur die Anschlüsse machen Elektriker. Dabei ist die ganze Anlage ein elektronisches Konstrukt. Abzuraten ist außerdem von Billig-Anbietern. Die bauen oft unkontrolliert drauf los und kümmern sich nicht um Vorgaben.“

Photovoltaik-FAQ

Worauf sollten Bauherren achten?
Wer auf seinem Dach eine Photovoltaik-Anlage installieren möchte, sollte darauf achten, dass das Dach eine freie Fläche von mindestens zehn Quadratmetern bietet. Diese sollte Richtung Süden ausgerichtet sein und möglichst eine Neigung von 20 bis 50 Grad bieten. Außerdem sollte auf die Fläche möglichst kein Schatten durch Bäume, Schornsteine und Ähnliches fallen.
• Wie kann man damit Geld verdienen?
In der Regel wird der gewonnene Strom im Haus von einem Zähler registriert und dann ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schreibt vor, dass die Besitzer von Photovoltaik-Anlagen dafür eine festgelegte Vergütung erhalten. Dabei kann jede produzierte Kilowattstunde eingespeist werden – für die nächsten 20 Jahre gesetzlich garantiert.
• Wann rentiert sich die Anlage?
Für Dachanlagen mit einer Leistung von unter 31 kW erhält der Besitzer 28,74 Cent pro kWh. Beispielsweise produziert eine 3kW-Anlage auf einer Fläche von 30 Quadratmetern im Jahr etwa 2700 kWh Strom. Das bedeutet bei einer vollständigen Einspeisung einen Ertrag von 775,98 Euro – nach etwa zwölf Jahren dürfte der Kaufpreis damit gedeckt sein. Was danach kommt, ist reiner Gewinn.
• Was bringt’s der Umwelt?
Die Photovoltaik-Technik zählt zu den umweltfreundlichsten Formen der Stromgewinnung. Sie erzeugt keinen Lärm und keine stinkenden, giftigen Abgase. Für die Anlagen müssen keine eigenen Gebäude errichtet werden, sondern sie werden in der Regel auf bereits bestehende Häuser aufgesetzt. Photovoltaik-Anlagen verbrauchen – abgesehen vom Material der Module – keine Rohstoffe, sondern setzen lediglich auf das unerschöpfliche Licht der Sonne.