In Portugal gehören Folkloregruppen zu fast jedem Dorf, in Deutschland sind sie so selten wie ein bunter Pfau. Seit rund 40 Jahren gibt es die Rancho Folclórico Portugues de Mainz; inzwischen sind die Folkloretänzer weit über die Region hinaus bekannt. Und damit ihrem Ziel näher gekommen, ein Stück Heimat und Tradition zu bewahren – und den Deutschen näherzubringen. – Von Jessica Bader

Bunte Trachten und Spaß an der Kultur der Heimat – bei einer Probe der Rancho Folclórico. Von Simone Schnipp und Jessica Bader

Die Röcke der bunten Trachten fliegen, die bestickten Schlappen klackern auf dem Parkett, ein Reque Reque gibt den Rhythmus vor. Jeden Montag hält in der Eintrachthalle in Mainz Mombach ein Stück portugiesische Tradition Einzug. Die Rancho Folclórico Português de Mainz probt hier für ihre Auftritte und gibt ihre Tradition an die Jugend weiter.

Ein Akkordeon, eine Trommel, und ein Reque Reque, das Rhythmusinstrument, mehr braucht die Gruppe nicht. Dazu wird live gesungen. Die Texte handeln von Liebe, Religion und der Landwirtschaft, vom alltäglichen Leben auf dem Land in Portugal. Noch heute hat die Folklore dort einen hohen Stellenwert, besonders im Norden des Landes. Jedes Dorf hat eine eigene Gruppe. Getanzt wird einfach auf der Straße.

Bunte Röcke verraten gesellschaftlichen Stand

In Deutschland schwer vorstellbar. Über mangelndes Interesse der Deutschen kann sich Beatriz Noguiera de Azevedo, Gründerin der Rancho Folclórico, aber nicht beklagen. „Wir machen das gerne mit den Deutschen.“ Bei Auftritten auf Festivals und Stadtfesten ist ihnen die Aufmerksamkeit der Zuschauer gewiss. „Die kommen dann und fragen, was das alles bedeutet“, erzählt Beatriz Azevedo.

Die meiste Aufmerksamkeit ziehen die bunten Trachten auf sich. Während sie in Deutschland nur der Optik dienen, zeigen sie in Portugal den gesellschaftlichen Stand an. Reich bestickte Röcke und Glitzersteine verraten Wohlstand, die Sonntagstracht ist in schwarz gehalten, die Farben verraten die Region, aus der die Trägerin kommt. Für bis zu 1000 Euro kaufen die Tänzer der Rancho Folclórico die handgefertigten Trachten in Portugal.

Die Kultur der Heimat nicht vergessen

Portugiesische Folkloregruppe

Vor rund 40 Jahren hat Beatriz Noguiera de Azevedo die Gruppe gegründet. „Wir haben viele Jugendliche hier, die schon in Deutschland geboren wurden. Die haben keine Ahnung, wie es in Portugal so ist.“ Für sie will die Tänzerin die Kultur bewahren: „Es ist gut, dass sie unsere Heimat und unsere Kultur nicht vergessen“.

Aber auch die Deutschen seien begeistert, wenn sie die schnellen Tänze und die bunten Trachten sehen, erzählt die Gruppengründerin. Inzwischen fahren die Tänzer der Rancho Folclórico zu Auftritten in ganz Deutschland. Und kommen mit jedem Auftritt ihrem Vereinsziel ein Stück näher: Den Abstand zu Portugal, wenn nicht auf der Landkarte, so doch zumindest in den Herzen der Menschen zu verringern.

Stand: Juni 2010

Die Rancho Folclórico im Internet:

http://www.rancho-folclórico-português-de-mainz-ev.de