In ihrer Heimat Thailand unterrichtete sie Grundschulkinder, heute bringt Chontischa Kolaboon Mainzern das Kochen bei. In ihrem Restaurant „Red Chilli“ serviert sie typisch thailändisches Essen und zeigt in Kochkursen, wie man es zubereitet.

Von Christoph Husemeyer

Das ''Red Chilli'' am Judensand

Chontischa Kolaboons Lächeln besitzt die typisch asiatische Höflichkeit. Wenn sie sich im „Red Chilli“ in gewohnter Atmosphäre aufhält und über ihr Thai-Restaurant spricht, zeigt sich schnell, wie zufrieden sie ist. Obwohl sie fließend deutsch spricht, hört man auch nach über drei Jahrzehnten in Deutschland noch ihren sympathischen Akzent.

Vor 31 Jahren kam Chontischa Kolaboon nach Deutschland – der Liebe wegen. Vier Jahre zuvor hatte die Grundschullehrerin aus dem Nordosten Thailands ihren Mann kennengelernt. „Er besuchte zusammen mit einem befreundeten Lehrer aus Deutschland unsere Schule“, erzählt Kolaboon. Nachdem ihr Mann Thailand wieder verlassen hatte, schrieben sich beide vier Jahre lang Briefe. Dann entschied sich die Thailänderin, ihre Heimat zu verlassen und in Deutschland zu heiraten.

„Die erste Zeit in Deutschland war sehr schwierig für mich“, erinnert sich die Gastronomin. Die neue Sprache war in der fremden Kultur das größte Hindernis. Im ersten Jahr spielte sie mehrfach mit dem Gedanken, wieder zurück nach Thailand zu gehen. Bis sie gemeinsam mit Freunden einen Sprachkurs besuchte. Mit den Sprachkenntnissen wuchs auch die Verbundenheit mit ihrer neuen Heimat. „Nachdem ich einige Jahre Hausfrau war, wollte ich aber auch wieder selbständig arbeiten“, sagt Kolaboon.

Gastronomie statt Grundschule

In ihrem alten Beruf konnte und wollte die ehemalige Grundschullehrerin nicht mehr arbeiten. So eröffnete sie 1988 ein thailändisches Restaurant in Darmstadt. Zwölf Jahre später siedelte sie dann mit ihren beiden Töchtern nach Mainz über. Nach einer weiteren gastronomischen Zwischenstation in der Altstadt  zog ihr Restaurant 2004 unter dem neuen Namen „Red Chilli“ an den Judensand. Der Name hat allerdings keine tiefere Bedeutung, „es sollte nur pfiffig klingen“, sagt die 57-Jährige.

Chontischa Kolaboon mit ihrem Neffen Ken und Tochter Lina (Foto: Christoph Husemeyer)

Das „Red Chilli“ ist ein kleiner Familienbetrieb: Kolaboons 22-jährige Tochter Lina bedient seit einigen Jahren mehrmals wöchentlich die Gäste. Und auch Linas 21-jähriger Cousin Ken hilft als Kellner mit aus, während seine Mutter als Chefköchin die Oberaufsicht in der Küche führt.

Chefin Chontischa kümmert sich vor allem um das Organisatorische: Den Wareneinkauf und die Buchhaltung. Das siebenköpfige Restaurant-Team besteht aber nicht ausschließlich aus Thailändern. „Wir haben auch eine Vietnamesin und einen Deutschen“, sagt Ken. Während der Arbeit sprechen sie deshalb fast ausschließlich Deutsch, das sei auch höflicher gegenüber den überwiegend einheimischen Gästen.

Einmal Lehrer, immer Lehrer

Den besonders Interessierten unter ihnen das Kochen beizubringen, darum kümmert sich Chefin Chontischa allerdings persönlich: Etwa alle drei Wochen findet ein Kochkurs in der Küche des „Red Chilli“ statt. Dort lernen die Schüler in Gruppen von mindestens zwölf Personen, wie man eine thailändische Vorspeise und ein Hauptgericht zubereitet. Beispielsweise Pad Grapau: Rindfleisch in einer Sauce mit Bambus, Zwiebeln, Bohnen, Chili, Thai-Basilikum und Knoblauch. Dazu werden Spiegeleier gereicht. Hierzulande wird zwar in jedem Thai-Restaurant Reis zum Essen serviert, das geschieht aber nur mit Rücksicht auf die deutsche Kundschaft. Als Beilage ist Reis eher unüblich in Thailand.

Dort ist die Restaurant-Chefin aus Zeitgründen nur noch selten, ihr letzter Besuch liegt schon über fünf Jahre zurück. Sie denkt nicht, dass sie noch einmal dauerhaft dorthin zurückkehren möchte: „Mein Hauptfamilie lebt ja hier in Deutschland.“ Am liebsten möchte Chontischa Kolaboon noch so lange wie möglich das „Red Chilli“ leiten und ihren Mainzer Schülern das Thai-Kochen beibringen.