Ein Kampf gegen die eigenen körperlichen Einschränkungen und die fehlende Konkurrenz. Seniorensportler müssen sich bei Leichtathletik-Wettkämpfen ganz anderen Herausforderungen als die jungen Athleten stellen.

Von Philipp Kubießa (Text), Steffen Boberg und Timo Schmidtchen (Fotos)

„Du musst dich mehr bewegen.“ Diesen Rat haben sich Erich Kreit und Leander Rückeshäuser, beide Jahrgang 1936, zu Herzen genommen. Sie treiben in fortgeschrittenem Alter regelmäßig Sport. Jedoch turnen sie nicht in Seniorensportgruppen oder marschieren als Nordic Walker durch Wiesen und Wälder. Beide suchen den Wettkampf. Ihre große Leidenschaft ist die Leichtathletik. Fast wöchentlich fahren sie zu Sportfesten in Rheinland-Pfalz. Die Kreismeisterschaften des Leichtathletik-Verbandes Rheinhessen für Mainz-Bingen und Alzey-Worms sind deshalb ein Pflichttermin.

Die Konkurrenz im Sportzentrum Bingen-Büdesheim ist jedoch überschaubar: Im Kugelstoßen treten in der Altersklasse M75 drei Sportler an, im Diskusring sind Kreit und Rückeshäuser unter sich. Beim Speerwurf ist Rückeshäuser sogar der einzige Teilnehmer. Kreit verzichtet. Er hat Probleme mit den Knien und kann den komplexen Bewegungsablauf nicht mehr bewältigen. Am Ende des Wettkampftages kann sich die Bilanz der beiden sehen lassen: Rückeshäuser gewinnt das Kugelstoßen und den Speerwurf. Kreit sichert sich den Kreismeistertitel im Diskuswurf.

Ein verlassener Stuhl auf dem Wettkampfgelände in Bingen-Büdesheim. Der Sportler tritt gerade im Speerwurf an.  Foto: Steffen Boberg

Ein verlassener Stuhl auf dem Wettkampfgelände in Bingen-Büdesheim. Der Sportler tritt gerade im Speerwurf an. Foto: Steffen Boberg

Durch die geringe Anzahl an Mitstreitern geraten die Platzierungen aber schnell in den Hintergrund. Urkunden und Medaillen verschwinden schnell in der Sporttasche und zu Hause dann in der Schublade. Viel wichtiger ist Kreit und Rückeshäuser der Kontakt zu den Mitstreitern – denn es werden immer weniger: Über Jahrzehnte haben sich Freundschaften entwickelt, die gepflegt werden. Treffen sich die Sportler an den Wochenenden nicht beim Wettkampf, wird spätestens am Montag telefoniert. Die Leistungen sind dann natürlich auch ein Thema, aber die Frage nach dem gesundheitlichen Befinden steht bei allen Sportlern im Vordergrund.