Ein Kind ohne Großeltern, eine Großmutter ohne Enkel? Für solche Fälle gibt es in Mainz den Leihgroßelternservice – eine Kontaktbörse der etwas anderen Art.

Von Anne Koark und Svaantje Schröder

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Ansprechpartner gesucht? Der Mainzer Kinderschutzbund engagiert sich seit 1978. Foto: Anne Koark

Wenn Nils bei seinen Großeltern zu Besuch ist, spielt er mit Opa Konrad Lego und lässt sich von Oma Bettina verwöhnen. Die Rentner Bettina und Konrad waren nicht immer seine Großeltern. Die drei haben sich kennengelernt, als Nils fünf Jahre alt war. Der Kontakt entstand über das Nachbarschaftshaus in Wiesbaden – eine von bundesweit über 200 Großelterninitiativen. Der Großelternservice bringt Omas, Opas und Kinder zusammen. Ideal ist das vor allem für Familien, in denen es keine Großeltern gibt. Weil sie weit weg leben – oder weil sie verstorben sind. Auch die Senioren profitieren von der Zusammenführung: Familienanschluss und soziale Kontakte halten jung und geben den Leihgroßeltern das Gefühl, gebraucht zu werden.

Auch Oma Bettina hat der innige Wunsch nach einem Enkelkind zum Großelternservice geführt. Damals, im Herbst 2010, hatte sie noch keine eigenen Enkel, inzwischen schon. Trotzdem nehmen sie und ihr Lebensgefährte sich weiterhin Zeit für Nils. Auch dessen Eltern verstehen sich gut mit Oma Bettina und Opa Konrad. So ziehen bei der Erziehung alle an einem Strang.

Das alles ermöglicht das Konzept des Großelternservices. Oma Bettina und Opa Konrad haben sich für eine Organisation in Wiesbaden entschieden, die Enkel mit ihren künftigen Leih-Großeltern zusammenführt. Das Konzept funktioniert deutschlandweit: Anhand der Postleitzahl ermittelt eine Online-Suchmaschine den nächstgelegenen Großelternservice.
Und das Konzept geht auf: Die ehrenamtlichen Leihomas und Leihopas sind begehrt, oft müssen Familien auf „ihre“ Großeltern warten, weil es so viele Interessenten gibt. Neben den Leihgroßeltern gibt es noch weitere Patenschaftsformen. So helfen  Familienpaten den Eltern bei der Erziehung, Lernpaten unterstützen Schüler bei den Hausaufgaben. Durch das breit gefächerte Angebot können Familie und Paten selbst entscheiden, nach wem sie suchen und was sie bieten können.

Der Weg zum Wunschenkel oder zu den Wunschgroßeltern ist nicht schwer. In Mainz vermittelt zum Beispiel der Deutsche Kinderschutzbund seit 2010 Leihgroßeltern. Sechs Paare treffen sich hier inzwischen regelmäßig – eine Bereicherung für alle Beteiligten!

Unser Video fasst noch einmal zusammen, wie das Zusammenführen von Wunschgroßeltern und Enkelkindern im Einzelnen funktioniert: