Es gibt in Mainz nicht nur den Dom und die vielen anderen Kirchen, sondern auch einige Moscheen. Man sieht sie nur nicht auf den ersten Blick, denn ein Minarett hat keine von ihnen. Auch die Yunus Emre Moschee der türkischen DITIB-Gemeinde wird leicht übersehen.

Von Reinhold Manz, Wero Lisakowski, Christoph Tautz und Simone Schnipp

Gebetsraum in der Yunus Emre Moschee

Sie sieht nicht aus wie eine Moschee – aber wie sieht schon eine Moschee aus? Kuppel? Minarett? Das alles hat die Yunus Emre Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Mainz nicht. Von außen deutet nur das Schild am Hofeingang darauf hin, dass das Haus am Rheingauwall 1 ein Gebetshaus ist. „Diyanet Türkisch-Islamischer Kulturverein e.V. Mainz – Yunus Emre Moschee und Kulturverein“, steht darauf.

Die Yunus Emre Moschee ist eine von elf Moscheen in Mainz. Sie sind da, aber so gut wie unsichtbar. Fragt man die Mainzer, kann kaum jemand sagen, wo in ihrer Stadt eine Moschee steht. Die Yunus Emre Moschee liegt praktisch im Hinterhof von Mainz, in der Nähe der Schott AG am Rand des Industriegebiets, zwischen der Überführung von Mombacher Straße zur Rheinalle und den Bahngleisen eingeklemmt.

„Wir wollen aber keine Hinterhofmoschee sein“, sagt Ramazan Ertugrul. Der 31-Jährige gehört dem Vorstand der Gemeinde an. „Wir laden jederzeit jeden ein, uns hier zu besuchen und sich ein Bild von dem zu machen, was eine islamische Gemeinde ist.“

Das Haus am Rheingauwall 1 ist jedoch mehr als ein Gebetshaus. Im Erdgeschoss befinden sich ein kleiner Supermarkt und ein Friseur, darüber gibt es ein Ladenlokal, in dem Döner und Tee verkauft werden. Das dreistöckige, ehemalige Kasernengebäude ist ein Gemeindezentrum, ein Treffpunkt. Ganz oben wohnt der Imam, mit seiner Familie; sonntags haben die Jungen und Mädchen dort auch Koranunterricht.

Imam und Imamin

Der Unterricht ist wie das Gebet nach Geschlechtern getrennt. Die Jungen unterrichtet Adem Verim, der Imam der Gemeinde. Er ist der religiöse Gemeindevorsteher, vergleichbar etwa mit dem Pfarrer im Christentum. Wenn er im Hauptgebetsraum vor den Männern das Gebet leitet, wird es über eine Lautsprecheranlage in die anderen Räume des Hauses übertragen, auch in den Gebetsraum der Frauen.

Die Yunus Emre Moschee will keine Hinterhof-Moschee sein (Foto: Türkisch-Islamischer Kulturverein e.V. Mainz)

Die Yunus Emre Moschee am Rheingauwall
(Foto: Türkisch-Islamischer Kulturverein e.V. Mainz)

Die Yunus Emre Gemeinde hat aber auch eine Imamin, eine weibliche Religionsbeauftragte. Das ist eine Besonderheit, denn davon gibt es in ganz Deutschland nur eine Handvoll. Hatice Kinik ist in der Gemeinde (und übrigens auch in allen anderen DITIB-Gemeinden in Rheinland-Pfalz; zur DITIB siehe Kasten unten) für die Belange der Frauen zuständig. Außerdem unterrichtet sie die Mädchen im Koran.

Beide, Imam und Imamin, sind in der Türkei ausgebildet und nur für ein paar Jahre von der türkischen Religionsbehörde in die deutsche Gemeinde entsandt.

Diese Praxis steht seit langem in der Kritik: Die Imame sprechen meist trotz Sprachkurs nur sehr wenig Deutsch und kennen die Lebensverhältnisse der deutschen Muslime kaum, so der Vorwurf. Auch der Kontakt zu Deutschen außerhalb der Gemeinde fällt ohne Deutschkenntnisse eher schwer.

DITIB

Die Yunus Emre Moschee gehört dem Dachverband der DITIB an. DITIB heißt ausgeschrieben auf Türkisch „Diyanet İşleri Türk İslam Birliği“, auf Deutsch: „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“. Die DITIB ist eine staatliche Organisation und gehört zum türkischen Präsidium für Religiöse Angelegenheiten, Diyanet. In Deutschland arbeitet die Organisation als Dachverband und koordiniert vom Hauptsitz in Köln aus die rund 900 bundesweit verteilten Gemeinden. Nach eigenen Angaben ist die DITIB die mitgliederstärkste Migrantenorganisation in Deutschland.

Aber das soll sich ändern: An der Universität Osnabrück werden ab dem Wintersemester zum ersten Mal Imame in Deutschland ausgebildet. Rauf Ceylan, islamischer Religionswissenschaftler in Osnabrück, bezeichnet das als einen „entscheidenden Schritt, damit sich die Muslime in Deutschland endgültig heimisch fühlen“. Der Weg aus dem Hinterhof führt also auch über die Sprache. Junge Muslime, wie Ramazan Ertugrul aus dem Vorstand der Yunus Emre Moschee, haben diesen Schritt längst vollzogen. Nur logisch, dass auch die religiösen Autoritäten ihn gehen müssen.

Stand: Juni 2012

Weiterlesen im Netz zum Thema Imamausbildung in Deutschland:

www.idw-online.de
www.islamische-zeitung.de

Die Yunus Emre Gemeinde im Internet:

www.ditib-mainz.de